Achtsamkeit, Meditation, endlich mal runterkommen — das hört man in letzter Zeit ziemlich oft. Es gibt unzählige Apps und noch mehr YouTube-Kanäle dafür – und irgendjemand erzählt dir bestimmt auch gerade, du solltest dringend mehr im Hier und Jetzt sein.
Ich muss da jedes Mal ein bisschen schmunzeln.
Denn das, was diese ganzen Apps und Videos versprechen — dieses Ankommen, dieses ganz bei einer Sache sein — das mache ich seit über zwanzig Jahren. Ohne App, ohne Glöckchen und ohne sanfte Stimme, die mir sagt, ich solle jetzt meinen Atem spüren.
Ich mache das, indem ich male.
Und ich rede hier nicht von „ein bisschen entspannen“. Ich rede davon, dass der Kopf zum ersten Mal seit Stunden wirklich still wird.
Du kennst dieses Grundrauschen im Kopf
Vielleicht geht es dir ja ähnlich. Du setzt dich hin, willst eigentlich runterkommen, und der Kopf macht trotzdem weiter. Die Mail, die du noch schreiben musst. Der Anruf von vorhin. Das, was du im Supermarkt vergessen hast. So ein leises Grundrauschen, das einfach nicht aufhört.
Bei mir ist das auch so — bis zu dem Moment, in dem ich die erste Farbe anmische.
Dann passiert etwas Komisches. Die Welt schrumpft auf diese eine kleine Leinwand vor mir zusammen. Der Rest verschwindet. Ich muss mich dafür nicht einmal anstrengen — es ist auf einmal einfach kein Platz mehr für ihn da.
Der Grund dafür ist ziemlich unromantisch
Dein Gehirn kann nämlich nicht zwei Dinge gleichzeitig richtig tun. Es kann nicht in dreizehn offenen Gedanken herumspringen und im selben Moment beurteilen, wo genau die Kante von diesem Schatten verläuft. Ob der Ton hier eine Spur dunkler sein muss. Ob das Licht von links kommt oder von rechts.
In dem Augenblick, in dem du das tust, bleibt für alles andere kein Platz mehr.
Das ist die ganze Magie. Kein spiritueller Trick, keine besondere Begabung. Das Malen lässt dich schlicht nicht woanders sein.
Und dann fängst du an, die Welt wieder zu sehen
Jetzt kommt der Teil, den die meisten unterschätzen — und der für mich eigentlich der schönste ist.
Realistisch malen heißt vor allem: richtig hinschauen. Nicht das, was du glaubst zu sehen — sondern das, was wirklich da ist. Und das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die meisten Menschen schauen ihr halbes Leben an allem vorbei. Wir scrollen, wir überfliegen, wir haken ab. Wir sehen einen Apfel und denken „rot“, und damit ist die Sache erledigt.
Bis du anfängst, ihn zu malen.
Dann schaust du ihn das erste Mal in deinem Leben wirklich an. Und plötzlich ist da gar kein einfaches Rot mehr. Da ist ein bisschen Grün an der einen Seite. Ein warmer Gelbton, wo das Licht draufkommt. Ein kühler, dunkler Schatten unten. Ein winziges Glanzlicht, fast weiß. Auf einmal hat dieser ganz normale Apfel zehn Farben, die du vorher nie gesehen hast.
Und das hört nicht auf, wenn du den Pinsel weglegst. Das ist das Verrückte. Du fängst an, die ganze Welt anders zu sehen.
Du merkst, dass eine Wolke nicht weiß ist. Dass ein Gesicht nicht „hautfarben“ ist, sondern aus unzähligen Tönen besteht. Dass der Asphalt nach dem Regen blau und silbern schimmert. Ich kann seit Jahren keinen Sonnenuntergang mehr anschauen, ohne im Kopf schon die Farben dafür zu mischen. Das ist Fluch und Geschenk zugleich — aber ehrlich gesagt vor allem Geschenk.
Du fängst an, das Leben wieder mit offenen Augen zu sehen. Und das ist näher an dem, was die ganzen Apps und Videos versprechen, als sie es selbst je einlösen können.
Du musst dafür nicht begabt sein
Das Schönste daran: Du brauchst kein Talent. Du musst auch kein Bild produzieren, das am Ende an die Wand kommt. Es geht gar nicht ums Ergebnis.
Es geht um die zwanzig, dreißig Minuten dazwischen, in denen du komplett bei einer Sache bist — und sonst nirgendwo. In denen die Zeit einfach verschwindet und du am Ende fast überrascht aufschaust.
Das kriegt keine App hin. Da kann sie noch so schön klingeln.
Lust, das selbst einmal zu erleben?
Falls du jetzt denkst „schön und gut, aber malen kann ich ja gar nicht“ — genau dafür hab ich eine kostenlose Anleitung, in der ich zeige, wie man ein ganz einfaches Motiv Schritt für Schritt malen kann. Ohne Vorwissen, ohne dass du dir vorher eine Riesen Mal-Ausrüstung kaufen musst.
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Vielleicht ist das nächste Mal, wenn dein Kopf nicht runterkommt, ja nicht die nächste App oder das nächste Video die Antwort.
Sondern ein Pinsel.
Probier es aus — und schau mal genauer hin da draußen.





