Du hast gerade ein Bild fertig. Pinsel weg, zwei Schritte zurück, draufgeschaut – und für einen Moment bist du richtig zufrieden mit dir.
Dann nimmst du dein Handy.
Instagram. Drei Wischer später: ein hyperrealistisches Porträt, tausend Likes. Noch ein Wischer, eine Landschaft, so sauber gemalt, dass es fast wehtut. Und der Gedanke, der eben noch „gar nicht schlecht“ war, kippt in: „So gut werde ich nie.“
Wenn du das kennst – willkommen im Club. Ich male seit über 25 Jahren und erwische mich immer noch dabei. Der Unterschied ist nur: Ich weiß inzwischen, was da gerade in meinem Kopf passiert. Und genau das erzähle ich dir jetzt.
Vergleichen fühlt sich harmlos an – ist es aber nicht
Am Anfang wirkt es sogar nützlich. „So möchte ich auch mal malen können“ – das ist ja erstmal Inspiration, kein Problem. Das Problem ist, dass es selten dabei bleibt. Aus dem bewundernden Blick wird ein prüfender. Und während du gebannt das Bild von jemand anderem anschaust, passiert das Eigentliche: Du hörst auf, dein eigenes zu sehen.
Was beim Scrollen nämlich unsichtbar bleibt, ist alles, worauf es ankommt. Du siehst das fertige Bild. Du siehst nicht die zwanzig Versuche davor, die in der Tonne gelandet sind. Nicht die Jahre, in denen derjenige genau die Zweifel hatte, die dich gerade lähmen – er postet sie nur nicht. Niemand lädt das misslungene Bild hoch mit der Bildunterschrift „heute mal wieder komplett verhauen“.
Und selbst wenn du alles sehen könntest: Was bringt dir der Vergleich mit jemandem, der seit zehn Jahren täglich im Atelier steht – während du dir nach Feierabend zwischen Kind, Küche und Wäscheberg eine halbe Stunde abknapst? Ihr spielt nicht im selben Spiel. Nicht mal in derselben Liga. Und das ist völlig in Ordnung.
Was wirklich hilft
Ich erzähl dir nicht, du sollst „einfach an dich glauben“. Das bringt nichts. Hier sind die Dinge, die bei mir tatsächlich etwas verändert haben:
Merk, wann du’s tust. Vergleichen läuft meistens unbewusst. Achte auf deine eigenen Sätze beim Malen: „So sauber krieg ich das nie hin.“ „Mein Hintergrund sieht immer fleckig aus.“ In dem Moment, wo du den Satz hörst, hast du schon gewonnen – weil du jetzt entscheiden kannst, ob du ihm glaubst. Kurz innehalten, durchatmen, weitermalen.
Benutz fremde Bilder als Werkzeug, nicht als Urteil. Statt dich klein zu machen, frag dich konkret: Was genau gefällt mir hier? Die Lichtstimmung? Die lockere Pinselführung? Die Farbtemperatur? Das ist Gold wert – nicht zum Bewerten, sondern zum Klauen. (Im positiven Sinn. Jeder gute Maler klaut.) Schreib’s dir auf und probier es beim nächsten Bild aus. Auf deine Art.
Führ ein Mal-Tagebuch. Klingt nach Volkshochschule, wirkt aber. Fotografier deine Bilder, notier kurz, was funktioniert hat und was nicht. Nach drei Monaten blätterst du zurück und siehst zum ersten Mal schwarz auf weiß, wie weit du gekommen bist. Genau das ist der einzige Vergleich, der dich besser macht: du heute gegen dich von vor drei Monaten.
Mal für dich, nicht für die Timeline. Was willst eigentlich du? Mehr Lockerheit? Endlich ein Porträt, das lebt statt wie eine Maske auszusehen? Sobald du das für dich beantwortest, werden Likes und das Level anderer erstaunlich egal.
Und falls du jetzt denkst: „Schön gesagt, Thomas, aber ich will trotzdem schneller besser werden und keine zwei Jahre allein vor mich hin pröbeln“ – fair. Genau dafür gibt es meine kostenlose Anleitung. Wenn du die Acrylmalerei endlich in den Griff kriegen willst, auch ohne „Talent“, kannst du hier sofort loslegen: ⇒ zur kostenlosen Anleitung
Worum es eigentlich geht
Du musst dich nicht vergleichen, um besser zu werden. Du musst dranbleiben, malen, Fehler machen, Neues wagen – und dabei immer wieder zu dem zurückfinden, weshalb du überhaupt angefangen hast: weil dir das Malen Freude macht und weil du etwas auf die Leinwand bringen willst, das von dir kommt.
Das lass dir von keiner Timeline der Welt kaputtmachen. Und schon gar nicht von der in deinem eigenen Kopf.





